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17.04.2018

Diakoniewerk setzt auf Wohnkonzepte mit mehr Lebensqualität und Solidarität für alle.

Nachbarschaftliches Wohnprojekt vereint Generationen

Gemeinsam in selbstbestimmten Verbänden leben, die auch noch ein soziales und facettenreiches Leben bieten, ist die Zukunft. Das Diakoniewerk zeigt innovative Wege für ein generationenübergreifendes Wohnen in bestehenden oder neu zu errichtenden Quartieren. Am Beispiel des von der ELAG in Engerwitzdorf errichteten Wohnprojektes und dem von dem Diakoniewerk beigesteuerten Wohnquartierskonzeptes „Lebendige Nachbarschaft“ (LeNa), geben nun aktuelle Forschungsergebnisse der Fachhochschule St. Pölten Antwort auf die Fragen: „Wie kann die Förderung aktiven Zusammenlebens in Zukunft aussehen und welche Parameter braucht es dafür?


GALLNEUKIRCHEN. Das Bemühen um Normalisierung von Lebensbedingungen und die Unterstützung der Selbstbestimmung sind wesentliche Bestandteile der Arbeit des Diakoniewerks. Ein richtungweisender Schritt ist die Umsetzung von Wohnquartierskonzepten, die räumliche und soziale Gegebenheiten des Lebensumfelds nutzen und damit alle Menschen dieses Sozialraums – Menschen im Alter, Familien, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung – miteinander vernetzen, um den Bedürfnissen der BewohnerInnen im Quartier/Stadtteil/Region bestmöglich gerecht zu werden. Es zeichnet sich durch ein partnerschaftliches Miteinander der Generationen, Sicherheit durch soziale Netzwerke, selbstbestimmtes Leben in Gemeinschaft bei gleichzeitiger Stärkung der Eigenständigkeit und neue Betreuungs- und Pflegearrangements aus.


Ein besonderes Anliegen ist es daher dem Diakoniewerk im Wohnbau, abgesehen von barrierefreiem Design und bedarfsgerechtem Wohnen, innovative und soziale Konzepte zur Entwicklung von Gemeinschaft in Verbindung mit dem Aufbau von Synergieeffekten zwischen den MieterInnen und der umliegenden Nachbarschaft zur Verfügung zu stellen. Diesen Ansatz verfolgt das Wohnprojekt LeNa – Lebendige Nachbarschaft – Wohnen am Linzerberg in Engerwitzdorf. Errichtet wurden dort 45 Mietwohnungen, bei denen die MieterInnen von Beginn an in den sozialen Quartiersansatz einer lebendigen Nachbarschaft aktiv einbezogen wurden. Neben einigen baulich-architektonischen Merkmalen, die dabei zu berücksichtigen sind, liegt der Fokus auf der Gestaltung der Prozesse des Miteinanders und der Nachbarschaftsbildung und –bindung. Ein Element dabei ist die Mitsprache der zukünftigen BewohnerInnen. „Man kann davon ausgehen, je besser die Menschen aktiv mitgestalten können, desto zufriedener werden sie in den errichteten Wohnungen leben", sagt Dr.in Daniela Palk,  Expertin des Diakoniewerks für Quartiersentwicklung. Parallel zur Implementierung der sozialen Quartiersidee wurde die Fachhochschule St. Pölten mit einer Studie beauftragt, mittels einer Zukunftswerkstatt kombiniert mit Dialogrunden, Lösungsansätze für die Anliegen und Bedürfnisse der BewohnerInnen und der Nachbarschaft zu entwickeln.  Die Forschungsergebnisse geben wertvollen Input für ein innovatives Unterstützungsangebot zum Aufbau nachbarschaftlicher Organisationsstrukturen rund um die zukünftigen Wohnprojekte für das Diakoniewerk.


Selbstbestimmt leben
Immer mehr Menschen im Alter suchen nach einer Alternative zum klassischen Seniorenheim. Für Oberösterreich prognostiziert aktuell das WIFO bis 2050 einen Anstieg von Menschen, die 85 Jahre oder älter sind, um 212 Prozent. „Die Betreuung von Menschen im Alter stellt unsere Gesellschaft in Zukunft vor große Herausforderungen, die es zu lösen gilt“, so Daniela Palk. Das Diakoniewerk ist in sieben Projekten aktiv in der Gestaltung der Quartiers- und Nachbarschaftsprozesse beteiligt. „Bei dem Wohnprojekt am Linzerberg in Engerwitzdorf, war es das Ziel auf Komponenten zu setzen, die Menschen im Alter möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen und ein starkes HelferInnen-Netzwerk in der Nachbarschaft aufzubauen. Darüber hinaus ist es uns wichtig, dass es auch Menschen mit Behinderung, die bis dato in einem geschützten Wohnbereich gelebt haben, möglich ist, hier selbständig wohnen zu können  und integraler Bestandteil der Gemeinschaft zu werden“, ist Daniela Palk von dem Konzept überzeugt.


LeNa – Lebendige Nachbarschaft.

LeNa ist das inhaltliche Konzept des Diakoniewerks für 45 Mietwohnungen, die in Engerwitzdorf durch die ELAG Wohn-Immobilien GmbH errichtet wurden. „Durch den gesellschaftlichen und demographischen Wandel wird Wohnen im Quartier zu einer wichtigen Handlungsebene für die Wohnungswirtschaft“, ist Egon Peter Karl, Vorstand ELAG Immobilien AG überzeugt. Bei der Planung durch Architekt Gernot Fritz wurden eine flexible Wohnraumaufteilung und gemeinsam Begegnungsräume eingeplant sowie auf die Integration beeinträchtigter MieterInnen Rücksicht genommen. Für eine zukunftsweisende Wohnform für Jung und Alt in Verbindung mit lebendiger Nachbarschaft, braucht es eine Architektur, die darauf ausgelegt ist, dass man sich häufig begegnet – sich die Weg kreuzen und viel miteinander kommuniziert wird. Baulich sind neben 17 barrierefreien Wohnungen mit Betreuung auch ein gemeinsamer Begegnungsraum – der LeNa:Treff – und gemeinschaftlich gestaltete Garten- und Freiflächen vorhanden. Das Besondere an diesem Konzept ist jedoch auch, dass es eine koordinierende Bezugsperson – die Wohnkoordination -  gibt, die die gemeinschaftlichen Ideen verfolgt und die Nachbarschaft stärkt.


Hohe Beteiligung und Mitgestaltung

Inhaltlich war das Ziel, von Beginn an das Augenmerk auf eine lebendige Nachbarschaft zu legen. „Eine stärkere Einbeziehung der Nachbarschaft und Einbindung der vorhandenen Infrastruktur in einer Gemeinde sind sehr wichtig“, so Dr.in Michaela Moser Dozentin an der Fachhochschule St. Pölten. Dabei geht es darum, einen starken Fokus auf Werte und Haltungen als Basis für ein gelingendes nachbarschaftliches Zusammenleben zu legen. Inklusion und Diversität stehen für ein Miteinander, in dem niemand ausgeschlossen wird und für Möglichkeiten, alle bei der Mitgestaltung sozialer und gesellschaftlicher Prozesse einzubeziehen. Zu einem integrativen, generationenübergreifenden und gemeinschaftlichen Projekt zählt der hohe Anspruch an Beteiligung und Mitgestaltung der zukünftigen BewohnerInnen. „Aufgrund der verschiedenen Zielgruppen und Nutzungsarten ist es nicht immer einfach, die daraus resultierenden unterschiedlichen  Interessen und Wünsche zu bedienen. Schön, dass wir bei dem Wohnprojekt in Engerwitzdorf in auf einem guten Weg sind“, freut sich Palk.

Schlüsselworte für das Diakoniewerk sind Integration, Solidarität sowie Vernetzung. „Es geht nicht alleine nur darum, Häuser barrierefrei bzw. altersgerecht zu bauen, sondern auch um die Stärkung eines soziales Netzwerks und den Aufbau nachbarschaftlicher Kontakte“,  so Palk. „Die Gemeinschaft muss von einer ver-sorgten zu einer mit-sorgenden Gemeinschaft wachsen. Formen der nachbarschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Unterstützung werden pflegende Angehörige und professionelle Angebote in Zukunft ergänzen müssen.“ Palk weiter.
Für eine zukunftsbeständige und nachhaltige Entwicklung von Wohnungsprojekten in bestehenden Stadtteilen, stehen Generationengerechtigkeit und Nachbarschaftsbildung im Fokus, sind alle überzeugt.


KLEINES LEXIKON DER BEGRIFFE


Quartiersarbeit:

Quartiersarbeit soll Antworten darauf finden, wie gesellschaftliches Leben im Quartier, d. h. in Stadtvierteln, Wohnquartieren, Siedlungszusammenhängen, so gestaltet werden kann, dass alle Menschen dort selbstbestimmt leben können und dafür die Unterstützung finden, die sie brauchen. Quartiersarbeit leistet unter anderem einen wesentlichen Beitrag zu mehr Selbständigkeit für Menschen mit Unterstützungsbedarf und schafft einen Rahmen für gelingendes generationenübergreifendes Wohnen und Leben.


Sozialraum/Sozialraumorientierung:

Die Sozialraumorientierung ist ein handlungsleitendes Fachkonzept, das ab den 1970er Jahren in der sozialen Arbeit entstanden ist. Es geht stets vom Willen der Menschen aus und zielt darauf ab, Verhältnisse zu gestalten statt Menschen verändern zu wollen. Das Konzept arbeitet mit den Ressourcen von Personen und deren Lebensumwelten und möchte die Selbstorganisationsfähigkeit von Menschen in sozialen Räumen erhöhen. Sozialraumorientierung ist auch ein Modell für zielgruppen- und organisationsübergreifende Kooperation.


Gestaltung von Lebensräumen (Referenzen)


Stadtteilarbeit:

Die Stadtteilarbeit fördert die soziale Teilhabe, Mitsprache und Mitbestimmung, indem die Angebote im kontinuierlichen Dialog mit den Bewohnerinnen und Bewohnern erstellt werden. Ziel ist es, die Lebensqualität sowie die soziale Infrastruktur in den Stadtteilen zu verbessern.
Im Auftrag der Stadt Salzburg kümmert sich das Diakoniewerk um die besondere Begleitung und Unterstützung für Menschen aller Altersgruppen in den Stadtteilen Aigen & Parsch, Gnigl & Schallmoos, Itzling & Elisabeth-Vorstadt und Salzburg-Süd im Rahmen von Bewohner-Servicestellen.


Gelebte Nachbarschaft und sozialer Zusammenhalt im Wohnquartier:

Mit dem Konzept des Wohnquartiers bietet das Diakoniewerk eine moderne Alternative zum oft unfreiwilligen anonymen Leben in den Großstädten. Es geht darum, gute Nachbarschaften aufzubauen, die in schwierigen Situationen schnelle, unkomplizierte und auch kostenlose Hilfe leisten können und wollen. Vor allem für Menschen im Alter, Menschen mit Behinderung oder junge Familien bietet dieses Konzept zusätzliche Sicherheit im Alltag. Um eine gelebte Nachbarschaft und den Zusammenhalt im näheren Wohnumfeld zu festigen, steht eine Wohnkoordination direkt vor Ort zur Verfügung. Diese unterstützt und vernetzt die Menschen und ihre unterschiedlichsten Interessen. Junge Menschen mit Behinderung erhalten zusätzlich Unterstützung durch speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen.


Wohnquartiere in Salzburg:

Rosa Zukunft
Lebenswelt Aigen
Freiraum Gneis

Wohnquartier in Wien:
Wohnquartier Traviatagasse

Wohnquartier in Oberösterreich:
Wohnen am Linzerberg (Forschungsprojekt LeNa)


Gelebte Nachbarschaft und sozialer Zusammenhalt im ländlichen Sozialraum:

Mehr Zeller Nachbarschaft
Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, der Pfarre, den Vereinen und weiteren Organisationen und Gruppen möchte das Diakoniewerk den Sozialraum in Bad Zell aktiv gestalten. Zu diesem Zweck wurde die "Mehr Zeller Nachbarschaft" gegründet. Ziel ist die Entwicklung von einer gut versorgten zu einer mitsorgenden Bad Zeller Nachbarschaft, in der alle Altersgruppen ihr Leben gut gestalten können. Folgende Dienste werden aktuell angeboten:
• Besuchsdienst
• Mittagstisch
• Mobilitätsdienst
• Fahrdienst zum Sozialmarkt in Hagenberg
• „Offene Gaststube zum west-östlichen Diwan“


Details über die einzelnen Projekte finden Sie unter https://syncare.at/p/projektentwicklung
oder unter http://www.diakoniewerk.at/de/wohnquartier-beratung/


Bildunterschrift: Nachbarschaftliches Wohnprojekt vereint Generationen
Fotocredit: Enzlmüller, Diakoniewerk

Rückfragen:
Mag. Andrea Obermühlner
Leitung Kommunikation & PR
Diakoniewerk
Telefon 07235 65 505 1320
Mobil 0664 88 971 957
a.obermuehlner@diakoniewerk.at


Nachbarschaftliches Wohnprojekt vereint Generationen