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25.04.2016

Ein multiethnischer Kindergarten ist seit 2002 ein Erfolgsmodell.

Im Spiel sind alle gleich – so das täglich gelebte Motto im Kindergarten Sunčani most.

In Anbetracht der Debatte rund um islamische Kindergärten in Österreich will das Diakoniewerk ein erfolgreiches Modell in der Begleitung von Kindern unterschiedlicher Ethnien aufzeigen. Der Kindergarten des Diakoniewerks in Mostar setzt seit 14 Jahren auf Versöhnung und Inklusion.

GALLNEUKIRCHEN/MOSTAR. Seit 2002 führt das Diakoniewerk den Kindergarten „Sunčani most“ – übersetzt „Sonnenscheinbrücke“ – und fördert, dass Kinder vorurteilsfrei miteinander spielen und voneinander lernen. Mehr als 400 Kinder aller ethnischen Gruppen, mit und ohne Behinderung und unterschiedlicher sozialer Herkunft, wurden seit der Gründung bereits betreut. Engagierte bosniakische, kroatische und serbische Kin­dergärtnerinnen bemühen sich tagtäglich Vorurteile gegenüber Kindern mit Behinderung und kulturelle, religiöse und sprachliche Unterschiede zu überwinden.
Die Kindergärtnerinnen selbst vertreten drei Religionen. Als Katholikinnen, Musliminnen und serbisch-orthodoxe Mitarbeiterinnen gestalten sie den Kindergartenalltag. Ob Weihnachten (katholisch und serbisch-orthodox), Bajram (Kurban Bajram und Ramazan Bajram - Opferfest und Zuckerfest) oder Ostern (katholisch und serbisch-orthodox), alle religiösen Feste werden gefeiert. Die Eltern sind bei Festen und Ausflügen alle gleichermaßen eingeladen und mit dabei - auch so finden Versöhnung und Annäherung statt.

In Bosnien-Herzegowina selbst sind die Bildungseinrichtungen ethnisch segregiert, also Schulen für Kroaten (Katholiken) und Schulen für Bosniaken (Muslime). Die Stadt Mostar selbst ist seit dem Krieg ethnisch segregiert und obwohl sich der Kindergarten im muslimischen Stadtteil befindet, ist „Sunčani most“  bewusst ethnisch gemischt. Kinder aus entfernteren und damit kroatischen Stadtteilen werden mithilfe eines Kindergartenbusses zum Kindergarten gefahren. Kinderbücher sowohl in kyrillischer als auch lateinischer Schrift werden von den Pädagoginnen genauso eingesetzt wie auch unterschiedliche religiöse Lieder gesungen werden.
Für Biljana Čelan, die seit Beginn an die Leitung des Kindergartens innehat, hat sich die mühevolle Aufbauarbeit dieses in Bosnien-Herzegowina einzigartigen Kindergartens gelohnt. Aus ihrer Sicht ist aus einer mission impossible eine mission possible geworden. Liebe, Toleranz und Respekt sind für sie die entscheidenden Faktoren des Erfolgs ihrer Arbeit.

2014 erhielt das Diakoniewerk dafür den von Außenminister Sebastian Kurz ausgeschriebenen und mit 10.000 EUR dotierten Hauptpreis des Intercultural Achievement Awards. Mit diesem Preis werden Non-Profit Organisationen sowie impulsgebende Projekte aus aller Welt, die den interkulturellen Dialog fördern, ausgezeichnet.

Multiethnisches Kooperationsprojekt
2015 wurde mit jeweils einem kroatischen und einem bosniakischen Kindergarten der Stadt kooperiert und sakrale Gebäude aller drei Religionen besucht sowie mit Priestern und Religionsvertretern aller drei Religionen gesprochen. Im Kindergarten wurde darüber gesprochen, dazu gezeichnet und gebastelt. In einer Ausstellungshalle in Mostar wurden die Kunstwerke im Beisein aller drei Religionsvertreter präsentiert. Kooperationsbeispiele dieser Art gibt es immer mehr – sie zeigen auf, dass eine multiethnische Lösung funktionieren kann.

Die Arbeit des Diakoniewerks in Mostar ist ein Balanceakt zwischen der Notwendigkeit und dem Wunsch hier Schritte in Richtung Interkulturalität und Inklusion zu gehen und der mühsamen Absicherung der finanziellen Mittel zum Erhalt des Kindergartens.

„Mit dem Kindergarten wollen wir Brücken bauen und Sonnenschein verbreiten, wie es der Name „Sunčani most“ zum Ausdruck bringt. In einem Land, dessen Bildungssystem nach wie vor auf Segregation setzt, ist dieser Kindergarten ein Leuchtturm, der in die Zukunft weist“, so Mag. Christa Schrauf, Rektorin des Diakoniewerks.

Finanziert wird der Kindergarten aus Elternbeiträgen, regelmäßigen finanziellen Zuwendungen der Stadt Mostar und zu einem großen Teil aus Spenden.

Die finanzielle Situation ist nach wie vor angespannt und stellt für das Diakoniewerk auch noch für die nächsten Jahre eine ökonomische Herausforderung dar.

Mit dem Erfolgsmodell „Sunčani most“ in Mostar hat das Diakoniewerk den Grundstein für einen zweiten multiethnischen, integrativen Kindergarten gelegt: Gemeinsam mit der Stadt Livno im Kanton 10 im Westen Bosnien-Herzegowinas wird derzeit intensiv daran gearbeitet, im Herbst 2016 einen weiteren „Brücken bauenden Kindergarten“ zu eröffnen.
„Im Spiel sind alle gleich – dies gilt im Besonderen für diesen einzigartigen multiethnischen, integrativen Kindergarten. Kinder, deren Eltern und Großeltern noch aktiv in die kriegerischen Auseinandersetzungen am Balkan involviert waren, finden durch diesen Kindergarten Freunde – unabhängig von der Ethnie oder der religiösen Zugehörigkeit. Vorurteilsfrei wird so ein Grundstein für ein gelingendes Miteinander in Vielfalt gelegt“, betont Dr. Daniela Palk, Leitung Internationale Projekte und Standorte im Diakoniewerk.

Fotos: Diakoniewerk/Abdruck honorarfrei
Bild 1: Die Kinder besuchen sakrale Gebäude im Rahmen des multiethnischen Kooperationsprojektes
Bild 2: Im Spiel sind alle gleich – so das täglich gelebte Motto im Kindergarten Sunčani most.

Rückfragen:
Mag.a Daniela Scharer, MBA
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Im Spiel sind alle gleich – so das täglich gelebte Motto im Kindergarten Sunčani most.