Inhaltsbereich:
07.04.2016

Internationaler Tag der Roma – 8. April 2016

Internationaler Tag der Roma – 8. April 2016
Diakoniewerk unterstützt Angehörige dieser Volksgruppe in Rumänien

Das Soziale Beratungszentrum und die Ambulante Hauspflege in Sebeş in Rumänien unterstützen seit 2011 vor allem Roma-Familien auf vielfältige Weise in der Bewältigung ihres Alltags. Seit knapp einem Jahr bieten Nachmittagsbetreuungen Kindern aus von Armut betroffenen Familien in Sebeş und auch in Dumbrăveni die Möglichkeit, ihre schulischen Leistungen zu verbessern, aber auch ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln – eine Chance für eine bessere Zukunft.

GALLNEUKIRCHEN/SEBEŞ/DUMBRĂVENI. Seit 9 Jahren führt das Diakoniewerk Einrichtungen für Menschen im siebenbürgischen Teil von Rumänien, die aus unterschiedlichen Gründen – Behinderung, Alter, Armut – Unterstützung in ihrer täglichen Lebensgestaltung benötigen. Viele dieser Menschen gehören zur Volksgruppe der Roma. Gerade für diese, auch in der rumänischen Gesellschaft ausgegrenzten Menschen, bieten das Soziale Beratungszentrum und die Ambulante Hauspflege des Diakoniewerks in Sebeş sowie die Nachmittagsbetreuung für Kinder aus von Armut betroffenen Familien in Sebeş und Dumbrăveni wertvolle Hilfe und eine Chance auf eine bessere Zukunft.

Vor allem Roma nehmen Leistungen in Anspruch
Das Leistungsspektrum des Sozialen Beratungszentrums ist vielfältig. Es reicht vom Verleih von medizinisch-pflegerischen Hilfsmitteln, über die Vermittlung zu anderen sozialen Trägern, bis hin zu finanziellen Unterstützungen für Medikamente, Operationen oder Heizkosten. Die Ambulante Hauspflege bietet pflegerische Unterstützung, Begleitung bei Arztbesuchen und Behördengängen ebenso wie Beratung und Hilfestellung im Rahmen von Hausbesuchen. 90 % der Menschen, die diese Leistungen in Anspruch nehmen, sind Angehörige der Roma-Volksgruppe.

Auch die Nachmittagsbetreuungen in Sebeş und Dumbrăveni, beide vom Diakoniewerk vor knapp einem Jahr eingerichtet, werden vor allem von Kindern aus Roma-Familien wahrgenommen. Durch gezielte schulische Förderung und durch die Vermittlung sozialen Verhaltens und Miteinanders sollen die schulischen und sozialen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen erweitert und mögliche spätere Berufschancen greifbar werden. Die Nachmittagsbetreuung L.I.F.T. (Lernen.Integration.Förderung.Tagesstruktur) in Dumbrăveni, die seit Sommer 2015 provisorisch in der örtlichen Schule untergebracht war, konnte Anfang 2016 in ein eigenes Gebäude in der Nähe dieser Schule und der Roma-Siedlung umziehen. Das Haus bietet viel mehr Platz, mit Räumen für Gruppenaktivitäten, einer Küche und einem Garten. Die zwölf Kinder spüren es: Das ist jetzt „ihr“ Haus!

Erfolge in der Nachmittagsbetreuung – ein Beispiel
Mihaela* ist eines der Kinder aus der Roma-Siedlung in Dumbrǎveni, die die Nachmittagsbetreuung des Diakoniewerks besuchen. Das einräumige Häuschen, in dem Mihaela und ihre Familie leben, hat weder Fließwasser noch Gas. Die Mutter ist Hausfrau und hat erhebliche Gesundheitsprobleme. Der Vater arbeitet als Taglöhner, doch nicht immer gibt es etwas für ihn zu tun. Das wenige Geld reicht für die fünfköpfige Familie hinten und vorne nicht. Als Älteste hilft Mihaela oft im Haushalt mit, manchmal muss sie von der Schule zuhause bleiben, um die kranke Mutter zu unterstützen. Kein Wunder, dass Mihaela nach Abschluss der 2. Klasse erhebliche Wissenslücken hatte. Die Eltern können ihr nicht helfen, weil sie selbst kaum zu Schule gegangen sind. Der Mangel an Bildung und entsprechenden Vorbildern machte sich auch im Sozialverhalten bemerkbar.

Der Besuch der Nachmittagsbetreuung hat vieles verändert. Mihaelas Fortschritte in den wenigen Monaten sind beachtlich. Sie hat Freude am Lernen gewonnen, nicht zuletzt durch die sichtbaren Erfolge. Rechnen fällt ihr nun ganz leicht und auch das Lesen ist erheblich besser geworden. Sie hat außerdem gelernt, Konflikte anders auszutragen als mit körperlicher und verbaler Aggression. Ihr um ein Jahr jüngerer Bruder Dorel* besucht ebenfalls die Nachmittagsbetreuung und profitiert wie seine Schwester von der Lernbetreuung, aber auch davon, nach den Aufgaben gemeinsam mit den anderen Kindern bei Spiel und Spaß einmal unbelastet von den Alltagssorgen der Familie sein zu können. Die Jüngste in der Familie geht noch nicht zur Schule, doch das Vorbild ihrer Geschwister und das Angebot von L.I.F.T. werden auch ihr einmal zu Gute kommen.

Die Mutter freut sich sehr, dass es dieses Angebot gibt, und hofft, dass ihre Kinder nicht nur das Schuljahr mit einem positiven Ergebnis beenden, sondern auch in ein paar Jahren die Ausbildung erfolgreich abschließen können. Denn sie weiß: Nur mit einer guten Ausbildung haben Mihaela und ihre Geschwister eine Chance, der Armut zu entkommen und sich selbst ein gutes Leben aufzubauen.

Auch österreichische Städte sind von der Armut der Roma-Bevölkerung betroffen – davon zeugen die Diskussionen rund um Bettelverbote in diversen Städten wie Salzburg, Linz und Graz.
Das Diakoniewerk setzt mit diesen Projekten ein internationales Zeichen, die „grenzenlose Armut“ zu lindern und dieser Bevölkerungsgruppe gezielte Unterstützung in ihrer Heimat zukommen zu lassen, um sich eigene Zukunftsperspektiven erarbeiten zu können.

"Uns ist bewusst, dass die Chancen dieser Menschen verbessert werden müssen, um Perspektiven für die eigene Lebensgestaltung entwickeln zu können. Da die Kinder wichtige Rollen als Mitversorger einnehmen, bleibt kaum Zeit für die Schule. Und dennoch ist uns allen klar, ein Weg aus der Armutsspirale gelingt nur mit ausreichend Bildung. Es braucht einen europäischen Blick auf Armutsprobleme und konkrete Hilfe vor Ort“, betont Dr. Daniela Palk, Leitung Internationale Projekte und Standorte im Diakoniewerk.

* Namen zum Persönlichkeitsschutz geändert

Bilder:
Bild: Diakoniewerk/Abdruck honorarfrei.
Bildtext: Die Nachmittagsbetreuung in Dumbrăveni bietet Kindern die Chance auf eine erfolgreiche Ausbildung. Auch in Sebeş gibt es dieses Angebot.

Rückfragen:
Mag. MBA Daniela Scharer
Kommunikation & PR
Diakoniewerk (Zentrale)
Telefon 07235 63 251 128
Mobil 0664 220 16 25
d.scharer@diakoniewerk.at
www.diakoniewerk.at/presse